Archiv für Februar 2013

Wir sagen danke.

Das Bündnis hat am Abend nach der Räumung ein Dankeschön geschrieben. Et voilá:
»Wir möchten uns bei allen bedanken, die heute mit uns diese Zwangsräumung
verhindern wollten! Eintausend Menschen sind mehr, als wir erwartet
hatten, und ein kraftvoller Ausdruck des Widerstandes gegen Verdrängung.
Wir bedanken uns bei allen, die sich heute zur Blockade auf den Boden
gesetzt haben, die sich der Polizei in den Weg gestellt haben, oder auch
einfach nur da waren um zu unterstützen. Wir danken all jenen, die
getrommelt und musiziert haben, die Flugblätter verteilt und die
Nachbar_innen informiert haben, die Tee gekocht und Brötchen geschmiert
haben und die Blockade aus ihren Fenstern mit Essen versorgt haben. Danke
für die Unterstützung mit Krach und Transparenten aus den Häusern. Sowieso
gilt ein unglaublicher Dank allen Nachbar_innen der Lausitzer Straße und
des Reichenberger Kiezes, die durch ihre Solidarität vieles erst möglich
gemacht habe. Wir danken auch denen, die sich nach der Räumung die Straße
genommen haben, die Kreuzungen blockiert haben oder sonstwie auf die
Schweinerei dieser Räumung aufmerksam gemacht haben. Und natürlich ist
auch allen zu danken, die schon im Vorfeld ihre Solidarität und
Unterstützung zum Ausdruck gebracht und für diesen Tag mobilisiert haben.
Und wir grüßen natürlich jene, die in Gewahrsam genommen wurden oder
Polizeigewalt zu spüren bekommen haben. Und nicht oft genug ist zu
erwähnen, dass die Entscheidung der Familie Gülbol, diesen Schritt in die
Öffentlichkeit zu gehen, den allergrößten Respekt verdient. Auch hier:
Danke!

Wir konnten diese Zwangsräumung nicht verhindern und sicherlich hätte
dieses und jenes besser klappen können. Dennoch haben viele von uns den
Eindruck, dass unsere Aktion heute eine gute und sinnvolle Sache gewesen
ist. Wir lernen dazu. Und wenn es 400 Polizist_innen und einen
Hubschrauber braucht, um eine Wohnung zu räumen, dann ahnen wir, dass der
Staat dies nicht lange durchhalten wird, wenn wir uns öfter in dieser Form
zusammenfinden. Deswegen gilt für uns das, was Ali Gülbol heute nach der
Räumung gesagt hat: „Der Kampf hat gerade erst begonnen.“«

Einen Überblick über die Presse, Videos und Fotos findet ihr auf der Seite des Bündnisses Zwangsräumung verhindern.

Zwangsräumung
Noch drei Tage bis zur Zwangsräumung. Auf der Seite von Zwangsräumung verhindern gibt es alle Informationen rund um die Blockade. Es wird ein Infotelefon geben, der Ticker läuft über Twitter und in der gesamten Nacht wird im Stadtteilzentrum eine Lange Nacht der Kultur veranstaltet. Es gibt immer mehr Solidaritätserklärungen von vielen Initiativen aus Berlin, aber auch aus Frankfurt und Marburg.

Und hier noch unsere Stellungnahme zum Mobivideo:

Franell und seine Freunde ?

Leider finden wir (*andere zustände ermöglichen) das Mobivideo zum 14. Februar nicht sonderlich gelungen.
Deswegen haben wir einen kurzen Text geschrieben um auf Schwierigkeiten aufmerksam zu machen und zu erklären, warum wir am 14. Februar nicht Franell und seinen Freunden eins auswischen wollen, wie es das Video unterstellt, sondern der kapitalistischen Stadt.

Ein Teil der Kampagne von „Zwangsräumung verhindern“ richtet sich immer gegen die jeweiligen Hauseigentümer*innen. Es ist richtig als Teil der Strategie im konkreten Fall die Hausbesitzenden unter Druck zu setzen, aber es wäre falsch zu glauben,dass vorrangig private Hausbesitzer*innen an steigenden Mieten und Verdrängung schuld wären. Ihnen kommen keine besonders eckelhaften Charaktereigenschaften wie gierig zu sein und gerne sekttrinkend zu, aufgrund derer sie immer wieder die Miete erhöhen, sondern sie verfügen über mehr Kapital, in diesem Fall in Form von Wohnraum. (weiterlesen…)

Aufruf von *aze zur Blockade der Zwangsräumung am 14.2.

Zwangsräumung Blockade Plakat

Guten Morgen, bitte verlassen Sie jetzt Ihre Wohnung !
Durch Berlin ziehen jeden Tag Gerichtsvollzieher*innen, die an Wohnungstüren klingeln und Menschen auf die Straße setzen. Familien werden aus ihrer Nachbarschaft geworfen, Kinder müssen die Schule wechseln, Jugendliche verlieren ihre Freund*innen und einige müssen fortan unter Brücken oder im Obdachlosenasyl wohnen. Viele andere Menschen verlassen schon vorher ihre Wohnung, wenn sie die Miete nicht mehr bezahlen können.
Es findet ein gewaltiger Verdrängungsprozess statt, der Menschen gewaltsam in der Stadt verschiebt. Dies bleibt meist unsichtbar, die Umzugswägen rollen still und leise.
Bestimmt wird diese Entwicklung durch die Menschen und Institutionen mit Eigentum. Wer die Wohnung besitzt, kann bestimmen, was mit ihr passiert. Die Besitzenden haben ein Recht auf Profit, sie erhöhen munter die Miete und schmeißen die Mieter aus den Wohnungen, welche sich die Miete nicht mehr leisten können.
Aus Sicht der Besitzenden ist Berlin eine Anlagemöglichkeit für Investitionen, es ist Ort der ständigen Versuche Kapital zu verwerten. Die herrschaftliche Zurichtung der Stadt weist den Menschen Plätze und Funktionen zu. Dabei bestimmt die Höhe der Miete maßgeblich darüber, wem es ermöglicht oder versagt wird in bestimmten Gegenden zu wohnen. Der Wohnungsmarkt interessiert sich dabei nicht für die Bedürfnisse von Menschen mit geringen Einkommen.

Berlin, bitte verlassen Sie jetzt diese Stadt !
Ursache dieser Entwicklung ist aber nicht das unmoralische Verhalten der einzelnen Kapitalbesitzenden, sondern die kapitalistische Organisierung des Wohnungsmarktes. Es ist nicht die teuflische Idee des Hauseigentümers Andre Franell mit Wohnen Geld zu machen, sondern die Grundidee des Wohnungsmarktes. Deswegen weiß er in diesem Fall das gesamte System von Justiz, Polizei und Politik hinter sich, welches sein Interesse gewaltsam gegenüber der betroffenen Familie durchzusetzen versucht.
Dieses Herrschaftsverhältnis bleibt unsichbar, solange Menschen ihre gestiegene Miete individuell mit sich ausmachen, wenn sie resignieren und sich mit der ihnen zugewiesenen Stellung begnügen. Deswegen ist es der erste wichtige Schritt, wenn Mieter*innen ihre persönliche Situation politisieren und sich mit anderen Betroffenen verbinden.

Status quo forever ?
Die Kampagne gegen Zwangsräumungen hat es bisher geschafft die unmittelbare Betroffenheit und spontane Solidarität mit einer politischen Perspektive zu verbinden. Die angekündigten Sitzblockaden gegen die Räumung sind eine notwendige Zuspitzung des stadpolitischen Kampfes, dem es um eine grundsätzliche Ablehnung der bestehenden politischen Aushandlungsprozesse und ökonomischen Organisierung geht, die das Leben und Wohnen zurzeit so verdammt schwierig machen.
Mit der Blockade der Zwangsräumung geht es uns nicht darum den Status Quo auf Biegen und Brechen zu verteidigen und die vielbeschworene Gentrifizierung „lediglich“ aufzuhalten, sondern die Ahnung einer Stadt zu erkämpfen, in der die Menschen die Vergabe von Wohnraum nicht einigen Wenigen überlassen und somit von Politik und Markt in eine gewaltsame „Stadtentwicklung“ einsortiert werden. Wir wollen stattdessen eine Organisierung unter Gleichen erreichen. Die Verteilung von Wohnungen sollte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und ohne rassistische oder ökonomische Machtbeziehungen organisiert sein. Eine herrschaftsfreiere Stadt fällt aber nicht vom Himmel, sondern muss im Konkreten erstritten werden.

Kommt zur Blockade am 14. Februar und verhindert die Zwangsräumung !

14.2. // 7 Uhr // Lausitzerstraße 8 (Kreuzberg)

Weitere Informationen: Zwangsräumug verhindern